Bildung in FinnlandVerfasst von admin am So, 10/17/2010 - 19:09 |
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Beim Lesen sind die finnischen Schüler unter den 15-Jährigen im weltweiten Vergleich spitze, in Mathematik und Naturwissenschaften erreichen sie ebenfalls fordere Plätze. Zwar werden sie in diesen Disziplinen von Japan und Korea übertroffen, allerdings von keinem europäischen Land.
Eine methodische Überlegenheit finnischer Lehrkräfte dient dabei jedoch kaum als Erklärung für die durch PISA nachgewiesene höhere Effektivität des Unterrichts. Vielmehr sind die Bedingungen, unter denen Lehrer in Finnland arbeiten, ungleich besser als beispielsweise in Deutschland. So sind die Stunden an finnischen Schulen ausschließlich für den Unterricht vorgesehen. Während deutsche Lehrkräfte auch für vieles zuständig sind, das mit dem Unterricht nichts oder nur wenig zu tun hat und es dadurch oft erst in der zweiten Stundenhälfte zum eigentlichen Thema der Stunde kommt, dürfen Lehrer in Finnland nichts anderes tun als zu unterrichten. Für alle weitere Aufgaben sind ausnahmslos andere zuständig.
Außerdem sieht es eine Regelung vor, dass Lehrkräfte mit großen Klassen, d.h. mit Klassen von mehr als 20 Schülern, nicht allein sind. Konkret bedeutet dies: Ein/e Assistent/in arbeitet mit den Schülern, die im Vergleich zum Mittelfeld der Klasse eine intensivere Betreuung benötigen. Von Klassenlehrern wird keinesfalls erwartet, dass sie allen zugleich gerecht werden und selbst Fachlehrer, die meist kleinere Klassen mit bis zu 15 Schülern haben, sehen es nicht als ihre Aufgabe an, den Unterricht so zu gestalten, dass auch der Letzte folgen kann. Zwar steht bei einer solchen Klassenstärke kein/e Assistent/in zur Verfügung, doch mit dem Unterricht überforderte Schüler erhalten eine Art Spezialtraining.
Wann immer ein Kind Leistungsschwächen zeigt, wird ein/e Speziallehrer/in hinzugezogen, um so das Mitkommen des jeweiligen Schülers oder der jeweiligen Schülerin zu garantieren. An jeder Schule steht mindestens ein/e Speziallehrer/in zur Verfügung, an größeren sind es mehrere.
Speziallehrer zeichnen sich dadurch aus, dass sie neben der normalen Klassenlehrerausbildung ein Jahr Spezialstudium hinter sich haben und auf Grund dessen über lerndiagnostische und -therapeutische Kompetenz verfügen. Pro Jahr kommen nach Aussage des Zentralamts für Unterrichtswesen etwa 16-17 Prozent aller Schüler für kürzere oder längere Zeit in den Genuss eines Spezialunterrichts, der so lange fortgeführt wird, bis das Kind dem Klassenunterricht wieder folgen kann.
Aus diesem Grund gibt es in Finnland keinen Markt für kommerziell betriebenen Nachhilfeunterricht, denn die Schule selbst ist dafür verantwortlich, dass alle ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen das Grundpensum lernen, das die Richtlinien vorgeben. Der Einsatz von Speziallehrern sorgt dafür, dass die Schwachen aufgefangen, gestützt sowie gefördert werden können und so beträgt die Sitzenbleiberquote in Finnland nur 0,6 Prozent pro Jahr ...
Eine einzige Lehrkraft kann in der heutigen Zeit nicht allen Kindern im Unterricht gleichermaßen gerecht werden, selbst wenn sie methodisch noch so kompetent ist.
Vergleicht man das finnische mit dem deutschen Schulsystem, so muss man zu dem Schluss kommen, dass Deutschland keine Gesamtschulen mit heterogenen Klassen sowie binnendifferenziertem Unterricht brauchte, sondern ein Fördersystem nach finnischem Muster. In jeder Grundschule müsste ein/e Sonderschullehrer/in mit diagnostischer und methodischer Spezialkompetenz zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollte es an jeder Grundschule eine schulpsychologischer Beratung sowie Schulsozialarbeiter geben.
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