Beim Lesen sind die finnischen Schüler unter den 15-Jährigen im weltweiten Vergleich spitze, in Mathematik und Naturwissenschaften erreichen sie ebenfalls fordere Plätze. Zwar werden sie in diesen Disziplinen von Japan und Korea übertroffen, allerdings von keinem europäischen Land.
Eine methodische Überlegenheit finnischer Lehrkräfte dient dabei jedoch kaum als Erklärung für die durch PISA nachgewiesene höhere Effektivität des Unterrichts. Vielmehr sind die Bedingungen, unter denen Lehrer in Finnland arbeiten, ungleich besser als beispielsweise in Deutschland. So sind die Stunden an finnischen Schulen ausschließlich für den Unterricht vorgesehen. Während deutsche Lehrkräfte auch für vieles zuständig sind, das mit dem Unterricht nichts oder nur wenig zu tun hat und es dadurch oft erst in der zweiten Stundenhälfte zum eigentlichen Thema der Stunde kommt, dürfen Lehrer in Finnland nichts anderes tun als zu unterrichten. Für alle weitere Aufgaben sind ausnahmslos andere zuständig.
Außerdem sieht es eine Regelung vor, dass Lehrkräfte mit großen Klassen, d.h. mit Klassen von mehr als 20 Schülern, nicht allein sind. Konkret bedeutet dies: Ein/e Assistent/in arbeitet mit den Schülern, die im Vergleich zum Mittelfeld der Klasse eine intensivere Betreuung benötigen. Von Klassenlehrern wird keinesfalls erwartet, dass sie allen zugleich gerecht werden und selbst Fachlehrer, die meist kleinere Klassen mit bis zu 15 Schülern haben, sehen es nicht als ihre Aufgabe an, den Unterricht so zu gestalten, dass auch der Letzte folgen kann. Zwar steht bei einer solchen Klassenstärke kein/e Assistent/in zur Verfügung, doch mit dem Unterricht überforderte Schüler erhalten eine Art Spezialtraining.